>>  GERA 2025  >>  KULTURPROGRAMM  >>  PRESSEBERICHTE >> 2018-01-30

Astrid Fischer (links), die mit ihrem Foto bei der Stickeraktion Gera 2025 gewonnen hat, genoss mit Freundin Mandy Buchholz einen ganzen Vormittag auf dem Rathausturm. In der Türmerstube gab es ein ausgedehntes Frühstück mit anschließendem Kulturgespräch mit der Gruppe Gera 2025. Foto: Christine Schimmel

 

 Gera. Samstagmorgen: ein Frühstück in luftiger Höhe, Kaffee aus goldenen Sammeltassen, ein Gläschen Sekt und frische Brötchen. Dazu der Ausblick über Gera und ein Gespräch über die Stadt, die einem hier oben zu Füßen liegt. Astrid Fischer gewann das besondere Frühstück vom Kernteam KH Gera 2025, das sich die Kulturhauptstadtbewerbung Geras im Jahr 2025 zur Aufgabe gemacht hat. Bei deren Stickeraktion Ende 2017 reichte sie ein Foto ein, das die Jury überzeugte. Nun saß sie also gemeinsam mit Freundin Mandy Buchholz in der Türmerstube und plauschte mit den Akteuren über Gera, das sie seit 1987 ihr Zuhause nennt.

 

Erst skeptisch, dann begeistert

Die durch den Künstler ­Maurice de Martin ins Leben gerufene Kunstaktion Gera 2025 fand sie gut. Als diese Persiflage dann in ernst gemeinte Bemühungen für eine Kulturhauptstadtbewerbung mündete, war sie erst skeptisch. „Aber die jungen Leute, die das in die Hand genommen haben, überzeugten mich. Es ist toll, dass sie sich für Gera so engagieren und damit etwas gegen den manchmal depressiven Gera-Zustand tun und wieder etwas Zuversicht in die Sache bringen“, sagt sie. Dieser Impuls ist wichtig gewesen für die Stadt, findet die 53-Jährige, die sogleich Feuer und Flamme für die Stickeraktion mit den Gera-Aufklebern gewesen ist.

Mehrere Orte hatte sie in der Stadt im Sinn, wo sich die vier Buchstaben gut machen würden. Ihr Gewinnerfoto zeigt das Tauschregal in der Amthorpas­sage, das mit den Aufklebern verziert, in Kombination mit den am Schaufenster des Sportgeschäfts angebrachten Slogans, ein sprechendes Zusammenspiel ergibt. „Der Bücherschrank ist eine tolle Sache. Gera könnte davon mehr gebrauchen. Die Werbeslogans von Intersport passten prima und überspitzen das Motto der Stickeraktion“, begründete sie die Platzierung.

 

Auch die Jury der Aktion war sich einig. „Mit diesem Foto ist der öffentliche Raum erfasst. In der Amthorpassage und besonders am Tauschregal laufen viele Menschen durch“, meinte Stadtschreiber Marc-Manuel Moritz. Stadtsprecher Uwe Müller lobte den Aha-Effekt, der sich aus der Platzierung der Gera-Aufkleber ergab. „Mit den Slogans gemeinsam ergibt sich eine positive Komposition, förmlich eine Botschaft“, sagte er.

Die Gera 2025-Akteure freuen sich über den Andrang auf die von ihnen ausgeteilten Sticker. In den Ausgabestellen waren sie im Nu vergriffen. Insgesamt kleben nun in der Stadt 1000 Aufkleber je Buchstabe. Auch Astrid Fischers Freundin ­Mandy Buchholz war von der Aktion begeistert. „Es war authentisch und hat die Leute erreicht. Das Kernteam zeigt uns allen, dass es auch Spaß machen kann, sich mit der eigenen Stadt zu beschäftigen“, sagte sie und erzählte von vielen Bekannten, Kollegen und Freunden, die schon immer gern in dieser Stadt gelebt haben und froh sind, dass sich die sympathische Gruppe Gera 2025 so ins Zeug legt. „Wir sind auch selbst immer wieder überrascht vom Feedback der Menschen. Es gibt nicht wenige, die sich bei uns bedanken, dafür dass wir etwas für die Stadt machen“, ergänzt Marc-Manuel Moritz. Er ist überzeugt, dass die Geraer eine Plattform brauchen, auf der sie sich über ihre Stadt austauschen können.

 

Astrid Fischer ist wenige Jahre vor der Wende von Mecklenburg nach Gera gezogen. „Inzwischen ist das meine Stadt. Hier bin ich zu Hause und habe meine Freunde. Ich stehe zur Stadt mit all ihren Ecken und Kanten“, betont sie.

 

Erfahrungen der Partnerstadt nutzen

Im Gespräch mit der Gruppe Gera 2025 und Stadtsprecher Uwe Müller wird deutlich, dass die Kulturhauptstadtbewerbung immer konkreter wird. Die Stadtverwaltung verspricht Unterstützung bei der Vorarbeit. „Wir wollen die Aktionen des Kernteams aber nicht vereinnahmen, es muss ein Geben und Nehmen sein“, sagte Müller. Er hofft auf baldige Regelung des Kulturlastenausgleichs des Landes Thüringen, von dem auch die Gruppe Gera 2025 und deren weitere Aktionen profitieren können. Die Türmerstube gab die Stadt für das Frühstück schon einmal kostenfrei her. Auch zur rumänischen Partnerstadt Timisoara will die Verwaltung intensivere Kontakte knüpfen, um von ihren Erfahrungen zu profitieren. Schließlich ist die Partnerstadt im Jahr 2021 Europäische Kulturhauptstadt und beschreitet einen Weg, den Gera vier Jahre später gehen will.

 

 

 

Christine Schimmel / 30.01.18