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Fünf für Europa

Einmal war eine ostdeutsche Stadt schon Kulturhauptstadt Europas, nämlich Weimar im Jahr 1999. Nun bewerben sich gleich fünf Orte aus den neuen Ländern: Neben Dresden sind das Chemnitz, Gera, Zittau und Magdeburg. Im Westen konkurrieren Hannover, Hildesheim und Nürnberg mit. Bis zum Herbst müssen die Bewerbungen eingereicht werden, danach entscheidet eine internationale Jury, wer auf eine Shortlist übernommen wird. Und Ende 2020 soll die Siegerstadt gekürt werden.

 

Absehbar ist schon, dass alle Ost-Bewerberorte die gesellschaftlichen Spannungen und Aufwallungen, die sie erleben, nicht etwa kleinreden wollen, sondern im Gegenteil geradezu zum Argument erklären. Man setzt auf die bewegte Nachwendegeschichte; macht aus dem gesellschaftlichen Streit um Heimat und Identität eine eigene Erzählung.

 

(Auszug)

Gera

Früher, sagt Geras Bewerbungschef Peter Baumgardt, sei dies eine der reichsten Städte Deutschlands gewesen – dank Industrie und Uranbergbau. Inzwischen ist das alles Geschichte, Gera schrumpft. "Der Transformationsprozess des Ostens ist hier sehr gut zu beobachten", findet Baumgardt. Das wolle er zum Thema machen, denn solche Brüche gehörten zu einer ostdeutschen Stadt. "Natürlich kann es aber auch schmerzhaft sein, wenn man zeigt, dass auch früher nicht alles super war", sagt Baumgardt. Man müsse das angeknackste Selbstbewusstsein mancher Geraer stärken. Denn die hätten einiges, auf das sie stolz sein könnten. Er zählt neben dem Otto-Dix-Haus auch die "Geraer Höhler" dazu, ein unterirdisches Kellersystem unter der Altstadt, in dem vor knapp 500 Jahren Bier gelagert wurde. "Es ist nicht nötig", sagt Baumgardt, "dass wir uns mit Berlin oder München vergleichen. Aber Schätze haben wir schon." Der Bewerbungschef hat Erfahrung mit dem Kulturhauptstadt-Wettrennen. 2010 leitete er die Görlitzer Kampagne für den Titel. Letztlich ohne Erfolg: Damals setzten sich Essen und das Ruhrgebiet durch. Diesmal, finden sie in Gera, sei der Osten dran.

 

Zeit / 25.02.19