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Schaukultur ist Identitäten auf der Spur

 

Gera. „Schuleinführung – das war wirklich ein besonderer Moment im Leben mit diesem Stolz, dass man jetzt zu den Großen gehört. Ich habe meine alten Fotos durchgeschaut und musste feststellen, dass ich nicht eines habe, auf dem ich allein zu sehen bin, sondern immer in Familie. Insofern konnte ich leider keines für diese Ausstellung beisteuern. Aber ich bin sehr neugierig auf die Aufnahmen“, erzählte die Geraerin Sigrid Pommer. Eines von der eigenen Einschulung 1972 eingereicht hatte Ines Freundel. „Diese Aufnahme entstand nicht direkt am Tag der Schuleinführung, sondern ich wollte mich bei allen bedanken und dafür wurden sämtliche Geschenke nochmals aufgereiht. An den eigentlichen Tag kann ich mich gar nicht mehr genau erinnern, was schade ist“ Neugierig, schmunzelnd betrachteten beide Besucherinnen die Motive im einstigen Blue Note in der Rudolf-Diener-Straße 4.

 

Mehr als 50 Kinderfotos von Schuleinführungen aus rund sechs Jahrzehnten können dort in Abendstunden für die nächsten drei Wochen bestaunt werden. Dem Aufruf unter dem Motto „DuStadt“ von Initiator Thomas Laubert und Team waren zahlreiche Geraer gefolgt und hatten ihre privaten Einschulungs-Bilder zur Verfügung gestellt. „Man sagt, insbesondere die ersten sieben Jahre sind prägend für die Persönlichkeit eines Menschen. Wir wollen diesem Moment des Übergangs von der unbeschwerten Kindheit zum doch ernsten Schulalltag noch einmal nachspüren. Dabei wissen wir, dass mancher vom Ereignis gar keine Fotos mehr hat. Also wir haben auch angeregt, darüber nachzudenken: Wie viel ist von der eigenen Identität noch da und wie viel kann man weitergeben? Das fanden wir genauso spannend“, erklärt Thomas Laubert.

Frank Karbstein, der zur Ausstellungseröffnung die Laudatio hielt, wurde selbst 1965 eingeschult: „Damals reichten die Schultüten etwa bis zur Schulter des Kindes. Man konnte diese kaum schleppen, da mussten die Eltern mit zupacken. Im Gegensatz zu heute war Spielzeug nicht üblich.Vielmehr gab es Süßigkeiten und Lebensmittel, die dann Fülle suggerierten. Und weil auch die Motivwahl sehr eingeschränkt war, schaute man sehr genau, ob man wirklich die eigene Zuckertüte in der Hand hielt und diese nicht aufgrund desselben Motivs verwechselt wurde“, erinnert sich Karbstein schmunzelnd.

 

 

„DuStadt“ gibt zugleich den Startschuss für die Reihe „Schaukultur“, bei der Thomas Laubert mit seinem Team leer stehende Geschäfte mit Expositionen und Konzerten beleben will. Er könnte sich hierbei den ehemaligen Fleischerladen auf der Sorge genauso vorstellen wie leerstehende Objekte auf dem Zschochern. Mit weiteren Mitstreitern hat Laubert auch die Bewerbung Geras zur Kulturhauptstadt 2025 initiiert.

Nächste Möglichkeit, die Ausstellung im Blue Note zu besuchen, gibt es am Freitag, dem 19. Oktober ab 19 Uhr. 

 

 

Christiane Kneisel / 17.10.18